Mythos 1: „Plastik ist Plastik – das kann alles in den Gelben Sack.“
Das klingt logisch, ist aber falsch. Der Gelbe Sack und die Gelbe Tonne sind keine allgemeine Kunststoffsammlung. Dort gehören leere Verpackungen hinein, die nicht aus Papier, Pappe, Karton oder Glas bestehen: zum Beispiel Kunststoffbecher, Folien, Konservendosen, Aluschalen oder Getränkekartons.
Ein kaputtes Plastikspielzeug, eine Zahnbürste, ein Kleiderbügel oder eine alte Kunststoffdose sind zwar ebenfalls aus Kunststoff, aber sie sind keine Verpackungen. Sie gelten als sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen. In Kommunen mit Wertstofftonne dürfen solche Gegenstände teilweise dort hinein; sonst gehören sie je nach Größe in den Restmüll, Sperrmüll oder zum Wertstoffhof.
Der entscheidende Punkt ist also nicht nur das Material, sondern die Funktion: Ist es eine Verpackung oder ein Produkt?
Mythos 2: „Altglas trennen bringt nichts – im LKW wird sowieso alles zusammengeschmissen.“
Dieser Eindruck entsteht leicht, wenn man sieht, wie Altglascontainer geleert werden. Tatsächlich wird das Glas aber nicht einfach wieder vermischt. Moderne Sammelfahrzeuge haben getrennte Kammern für Weiß-, Grün- und Braunglas. Die Farben bleiben von der Sammlung bis zur Glashütte getrennt.
Diese Trennung ist wichtig, weil die Farbe für neues Glas entscheidend ist. Besonders Weißglas ist empfindlich: Schon geringe Mengen farbiges Glas können die Qualität stören. Grünglas ist toleranter gegenüber Fehlfarben. Deshalb gehören blaue, rote oder andersfarbige Glasflaschen in den Grünglascontainer.
Auch Keramik, Porzellan, Trinkgläser oder hitzebeständiges Glas gehören nicht ins Altglas. Sie haben andere Materialeigenschaften und können den Schmelzprozess stören. Für gutes Glasrecycling braucht es möglichst sortenreine Scherben.
Mythos 3: „Trennen lohnt sich nicht – am Ende wird sowieso alles verbrannt.“
Auch dieser Mythos hält sich hartnäckig. Richtig ist: Nicht alles wird recycelt. Fehlwürfe und nicht recyclingfähige Verpackungen werden häufig energetisch verwertet. Falsch ist aber die Behauptung, es werde ohnehin alles verbrannt. Laut Umweltbundesamt ging mehr als die Hälfte des Inhalts der Gelben Tonne ins Recycling; bei Kunststoffverpackungen wurde zuletzt erstmals mehr als 70 Prozent der Menge der werkstofflichen Verwertung zugeführt.
Je besser wir zu Hause trennen, desto besser können Sortieranlagen arbeiten. Ein einfaches Beispiel ist der Joghurtbecher: Kunststoffbecher, Aludeckel und Papierbanderole bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Bleibt alles fest miteinander verbunden, ist die Sortierung schwieriger. Werden Aludeckel und Banderole vorher getrennt, können die Materialien eher in den passenden Recyclingstrom gelangen. Auswaschen ist dafür nicht nötig; die Verpackung sollte nur leer beziehungsweise „löffelrein“ sein.
Mülltrennung ist also kein symbolischer Akt, sondern der erste technische Schritt im Recyclingprozess.
Mythos 4: „Eine verpackte Gurke ist immer schlechter für die Umwelt.“
Eine in Kunststofffolie eingeschweißte Gurke wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradebeispiel für unnötige Verpackung. Aber Verpackung muss immer im Zusammenhang mit dem Produkt bewertet werden.
Eine regionale Gurke, die schnell verkauft und verbraucht wird, braucht in vielen Fällen keine Verpackung. Bei empfindlicher Ware mit langer Lieferkette kann eine sehr dünne Folie aber verhindern, dass das Produkt austrocknet, schrumpelig wird oder im Handel aussortiert wird. Verpackung ist hier nicht Dekoration, sondern Produktschutz.
Eine Studie zur Lieferkette von Gurken aus Spanien in die Schweiz kam zu dem Ergebnis, dass die Kunststofffolie nur etwa ein Prozent der gesamten Umweltwirkungen der Gurke ausmacht. Gleichzeitig kann sie Lebensmittelverluste deutlich reduzieren; der ökologische Nutzen durch weniger Food Waste wurde in diesem Fall höher bewertet als die Umweltbelastung durch die Folie selbst.
Die bessere Frage lautet daher nicht: „Verpackung ja oder nein?“, sondern: „Ist diese Verpackung für Schutz, Haltbarkeit und Ressourcenschonung wirklich notwendig?“
Mythos 5: „Papier ist Papier – saubere Taschentücher und Küchenpapier gehören in die Blaue Tonne.“
Auch das ist falsch. Papiertaschentücher, Küchenpapier und Servietten sind Hygienepapiere. Sie bestehen zwar aus Papierfasern, sind aber für den normalen Altpapierprozess ungeeignet. Viele dieser Papiere sind so ausgerüstet, dass sie bei Kontakt mit Feuchtigkeit nicht sofort zerfallen. Genau das ist im Alltag praktisch, im Papierrecycling aber problematisch.
Beim Papierrecycling wird Altpapier mit Wasser aufgelöst, damit die Fasern zurückgewonnen werden können. Hygienepapiere lösen sich schlechter auf und sind außerdem häufig mit Fett, Speiseresten oder Körperflüssigkeiten verunreinigt. Deshalb gehören Taschentücher, Servietten und Küchenpapier grundsätzlich nicht in die Blaue Tonne, sondern in den Restmüll. Die Verbraucherzentrale weist ebenfalls darauf hin, dass Hygienepapiere nicht recycelt werden können.
Fazit
Gute Mülltrennung beginnt mit einem einfachen Prinzip: Nicht alles, was gleich aussieht, gehört in denselben Stoffstrom. Bei Verpackungen zählen Material, Funktion, Verschmutzung und technische Sortierbarkeit.
Richtiges Trennen ist kein perfektes System, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass Recycling überhaupt funktionieren kann. Wer Verpackungen trennt, Fehlwürfe vermeidet und Materialien soweit möglich voneinander löst, hilft dabei, aus Abfall wieder Rohstoff zu machen.
Am Weltumwelttag geht es deshalb nicht nur um große Ziele, sondern auch um konkrete Entscheidungen im Alltag. Denn Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst in der Recyclinganlage. Sie beginnt dort, wo wir entscheiden, was in welche Tonne kommt.